May 2013 Compilation

by 12in12x12

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about

In May 2013, a bunch of musicians wrote and recorded 12 songs in 12 hours. Some writers wrote, some painters painted. Some will do it again in June, and in July, etc.

credits

released May 31, 2013

If you want to check out the rest of what each of us did during our twelve hours this month, visit our individual pages and sites...

01 Hello Underground Typewriter: Colchester, Essex, England: tinyurl.com/mla5ty8
02 King Everything: Lockport, NY, USA: tinyurl.com/n9beqxd
03 Twisted Torus: Sacramento, CA, USA: tinyurl.com/nzalfnz
04 Ewan Mazzei: Norwich, Britain (UK): tinyurl.com/c7x4t3w
05 Tony Stirner: Almelo, Netherlands
06 Bunny Knutson: Los Angeles, CA, USA: tinyurl.com/obprkc9
07 RhythmEngine: San Antonio, TX, USA: tinyurl.com/nhm6ple
08 TwoYearsBefore: Antrim, Britain (UK): tinyurl.com/bqbc5e8
09 Shifting Buffalo: Hitchin, Hertfordshire, England: tinyurl.com/lzy3993
10 Robert Furtkamp: Pocatello, ID, USA: tinyurl.com/oawv8ym
11 Manet: Sadnes, Norway: manet.bandcamp.com
12 Sock in Human Form: Minnesota, USA
13 Tobias Reußwig: Greifswald, Germany : tinyurl.com/nwgdguu
14 Lynnora Gwaltney: North Adams, MA, USA: tinyurl.com/oslpegw
15 GüD: AYR, Britain (UK): tinyurl.com/pow2mg7
16 jacebeats: Buffalo, NY, USA
17 Instagon: Sacramento, CA, USA: tinyurl.com/o34q6yx
18 xocp: Abu Dhabi, United Arab Emirates: tinyurl.com/kxx55v3

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Track Name: Tobias Reußwig "Das Fieber" (text​.​.​. klicken Sie auf "Lyrics", um ihn zu lesen​.​.​. click "lyrics" to read it)
Das Fieber ist von unglaublicher Bedeutung. Ein Hund ist, wer es ignorieren, nein, schlimmer noch, behandeln will. Ein Körnchen Staub ist, der Pillen einwirft, um den Wahn zu vertreiben. Ein Bastard einer namenlosen Mutter ist, der sich um des lieben Friedens willen schlafen legt, wenn er zu toben hat.
Das Fieber... der Augenblick, in dem sich der eigene Körper verändert, wenn sich das Denken fokussiert wie eine Stichflamme, wenn Sememe zusammengeschweißt werden, als ob es nichts leichteres gäbe. Fieber: Los, der ewige Prophet am Amboss, schwer arbeitend in den eigenen Gedanken. Hunger und Durst werden zweitranging. Es gibt eine Priorität; es gibt eine Arbeit. Dass sie die vollständige Transformation des Menschen darstellt ist nicht nebensächlich oder vergessen, sondern schlicht und ergreifend der einzige Grund, aus dem sie überhaupt angegangen wird.
Genug des poetologischen Gefasels. Wenn etwas nicht mit Fiebern gleichzusetzen ist, dann ist es die theoretische Behandlung eines Gegenstandes. Alles muss konkret gemacht werden. Nein. Alles muss neu gemacht werden. Auch das ist falsch. Alles muss erfunden werden. Es gibt nichts mehr. "Ego cogito"? Nein. "Scribo." Einmal gelang es mir, einmal fieberte ich, einmal, ein unumkehrbares Mal, das nicht zurückgenommen werden konnte. Seien wir konkret: 1917. In einem Schützengraben. Mit einer Waffe vor meinem Gesicht. Der Augenblick verwandelte sämtliche territorialen Grenzen in die Hirngespinste, die sie seit eh und je gewesen waren, aber auch, wenn dies nicht der Fall gewesen wäre: Ich wüsste nicht mehr, ob ich nach Osten oder nach Westen stürmen sollte, noch weniger, für welchen Herrscher oder welches Volk. Der Zeigefinger meines Offiziers jedenfalls war zu langsam, meine Hand, die einen schmutzigen Bleistiftstummel hielt, gerade schnell genug. Ich fieberte. Meine Gedanken wurden klarer, als ob sich Nebel lichten würde. Meine Züge verhärteten sich, mein Blick wurde kalt. Ich griff nach meinem Notizbuch, meinem Bleistift – und erhielt den Befehl, meine Existenz für eine kurzweilige Umverteilung von Boden aufzugeben. Ich blieb sitzen, mein Offizier zog – zielte – mein Stift berührte das verdreckte Papier. Ich weiß nicht, ob mich dieser Augenblick den Engeln oder den Teufeln näher brachte. Die Welt wurde in viollette Farben getaucht. Nichts bewegte sich mehr. Ich hatte noch nicht einmal mein erstes Wort beendet, in den Lauf meines Offiziers starrend zog ich die Bögen: "Ich". Nichts rührte sich. Ich schrieb weiter: "Wir, unter. Ich. Konjunktion. Beiordnung, Unordnung. Nichts mehr. Neuordnung. Zuerst. Ich. Scribo. Schreiben." Etwas zerbrach in mir. Die Welt zerbrach. Nadelfeine Spalten, wie in Glas oder Porzellan, rissen den Boden auf, die Erdschollen verschoben sich gegeneinander in fast gespenstischer Stille. Angst war mir fern. In mir schien eine Glocke zu läuten, dann, mit einem Mal, zu zerbersten. Ich schrieb wie wild. Ich dachte an Golems, die durch Schrift animiert wurden. Ich sah mich selbst, sah mich auf mich selbst herabblicken (die Welt einer Werkbank gleich), eine schwarze Feder haltend, violette Tinte in meine eigenen Hirnwindungen träufelnd, spürte das scharfe Brennen, spürte, wie sich alles, ein paar Striche mit der Feder genügten, meinen Wünschen entsprechend neu ordnete. Die Scherben und Splitter der Welt ordneten sich neu, verwirbelten sich. Ich musste nicht mehr die Rückseiten der Scherben sehen, um zu wissen, dass jedes Fragment nur eine hauchdünne Schale war, kränklich weiß wenn auf den Rücken gedreht und voller billiger Farbe auf der Vorderseite. All das erhob sich, schwärmte, zuckte unter den Bewegungen meines Bleistifts, meiner Feder, bog sich und brach sich, flutete und wirbelte in mich hinein.
Ich kam in einem Waldstück wieder zu mir. Frühlingsregen und Morgensonne badeten mich. Ich hätte nicht sauberer sein können. Vor zwei Jahren hatte ich die Frau kennengelernt, die ich bald heiraten würde. Ich stand auf und lief auf das nächste Dorf zu. Es war Zeit, ihr davon zu berichten.