December 2013 Compilation

by 12in12x12

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about

In December 2013, a bunch of musicians wrote and recorded 12 songs in 12 hours. Some writers wrote, some painters painted. Many have been doing it since January. Will they keep doing it in 2014? Pretty sure they will.

credits

released December 31, 2013

If you want to check out the rest of what each of us did during our twelve hours this month, visit our individual pages and sites...

03 Two Years Before: a-5tar.bandcamp.com/album/puzzlebrain
04 Instagon: instagon.bandcamp.com/album/a-dozen-paths-to-escape-complete-boredom-vol-12-12in12x12-series
07 Tadeusz Deregowski: www.flickr.com/photos/tadeuszderegowski/sets/72157639171625765/
08 Joey: joeymusic3.bandcamp.com/album/the-one-rose-that-grows-in-the-winter
09 .oilage: dotoilage.bandcamp.com/album/12-in-12-x-12
10 Interroclef: interroclef.bandcamp.com/album/stonetrack-vol-1
11 Shifting Buffalo: soundcloud.com/shiftingbuffalo/sets/12in12x12-december-2013
13 Robert Furtkamp: soundcloud.com/rfurtkamp/sets/the-things-i-worshipped-in
14 Interroclef: interroclef.bandcamp.com/album/stonetrack-vol-1
17 Manet: manet.bandcamp.com/album/12in12x12-december
18 ChasingBleeps: soundcloud.com/chasingbleeps
20 Interroclef: interroclef.bandcamp.com/album/stonetrack-vol-1
21 King Everything: kingeverything.bandcamp.com/album/your-favorite-child

Interroclef is an ongoing round-robin track swap with 5 tracks per song, free-for-all but each person can only submit one track per song. That probably sums it up decently. There are a couple more brilliant songs that are only one track from completion, but this should represent decently for December . . . several regular 12in12'ers are involved.

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Track Name: Tobias Reußwig "Ein neues" (text​.​.​. klicken Sie auf "Lyrics", um ihn zu lesen​.​.​. click "lyrics" to read it)
Seit der Regulierung taten sie es jedes Jahr einmal. Torben Melnas verstand die Gründe dafür und stopfte ein weiteres Eisenrohr in seinen alten Armeerucksack. Er war ein gebildeter Mensch. Gebildete Menschen wussten solche Dinge. Es war der nächste, einzig logische Schritt gewesen. Nachdem die Vergangenheit kategorisiert, in Epochen unterteilt worden war, war es nur vernünftig, bei der vorgefundenen Unordnung, die Zukunft zu planen. Ohnehin trafen entsprechende Vorstellungen bei Menschen leicht auf Zuspruch: Man bedenke nur die Mengen an Energie, die der Wechsel vom Jahr 999 auf das Jahr 1000 freigesetzt hatte – und erneut 500 Jahre später, und erneut nach tausend Jahren. Wenn man nur dort gewesen wäre, dann hätte all diese Motivation, all diese Angst, diese Sorge in kreatives Handeln umgesetzt werden können! Aber natürlich war der damalige Mensch noch nicht auf dem Niveau des heutigen angekommen. Seine Frau sprach nebenan mit den Kindern. Es war etwas wie ein weiteres altes Fest, Weihnachten nannte man es. Auch dort wurden die Kinder in ihren jüngeren Jahren über den wahren Hergang nicht informiert. Eine in rot gekleidete Gestalt bringe ihnen Geschenke, erinnerte er sich. Nun ja. Für die Kinder heute war es das Datum, das Umschlagen des Kalenders, das die Welt verwandelte, darum achtete seine Frau darauf, dass sie von den Vorbereitungen der Langen Nacht nichts mitbekamen. Er füllte eine Flasche mit der Molotov-Mischung, die er schon vor einer Woche im Supermarkt erstanden hatte. Seine Nachbarn warteten grundsätzlich bis auf den letzten Drücker und mussten sich mit minderwärtiger Ware zufrieden geben. Aber nicht Torben Melnas! Er füllte eine zweite, eine dritte Flasche und stellte sie auf dem Cafétisch seiner Frau auf. Fünf Flaschen zu füllen versprach der Pappkarton und tatsächlich, nach der vierten konnte er mit etwas Schütteln auch noch die letzte Flasche befüllen. Pfeifend stopfte er alte, karierte Leintücher in die somit fertigen Brandsätze. Das dazuhgehörige Feuerzeig (Marke Nero) glitt glatt und sauber in seine Hosentasche. Seine Frau hatte die Kinder zu Bett gebracht. Jetzt stand sie lächelnd in der Tür. "Ich weiß ja nicht", meinte sie, "brauchen wir wirklich fünf?"

"Besser mehr als zu wenig", grinste Torben. Seine Frau bevorzugte die Direktheit der Rohre, die Glattheit der Brechstangen.

"Wissen wir schon, was das Ziel für das nächste Jahr sein wird? Etwas über die Religion? Das Fernsehen?"

Torben wurde, wie jedes Jahr, wenn seine Frau ihn fragte, ein klein wenig ärgerlich mit ihr.

"Du weißt ganz genau, dass ich dir nichts darüber sagen darf." Aber natürlich wusste er, was das kommende Jahr bringen würde. Das religiöse Konzil hatte sich nach Jahren der Verhandlungen geeinigt, wodurch auch in dieser Bereich endlich etwas geschehen würde. Eine Art Synkrethismus aus Sonnenverehrung, Ahnenverehrung und Judentum (mit Fokus auf den Propheten Elias) würde das so überkommende Modell der babylonischen Sternkult und römisch-staatsstiftender Kaiserverehrung und inkludierendem Polytheismus ersetzen. Es wurde auch Zeit! Wenn er noch einmal einen dieser Leichenschnitter die Zukunft aus einem Hund oder Fisch würde lesen sehen müssen... es war weniger Mitleid mit den Tieren denn simpler Stolz auf sein eigenes Metier; als Untersekretär im Regulierungsbüro, dem einzigen Fixpunkt in ihrer sich permanent verändernden Welt konnte er mit Scharlatanen nichts anfangen.

"Ich weiß ja, Schatz... aber ich bin nun mal so neugierig! Kannst Du mir nicht wenigsten ein klein wenig verraten?" Seine Frau sah ihn mit großen Augen an, den Kopf leicht schräg gelegt.

Er zog sie in seine Arme und küsste sie.

"Eins kann ich dir sagen! Heute Nacht werden wir viel Spaß in der Kirche haben! Mehr Spaß als in den letzten drei Jahren!"

Sie klatschte freudig in die Hände und streckte ihren schlanken Körper. Kindliche Ausbrüche wie diese erinnerten ihn immer wieder daran, warum er sie geheiratet hatte.

"Dann wurden wir auch dem entsprechenden Bezirk zugeteilt? Ja? Gehen wir die Tempel besuchen? Ja?"

"Aber ja!" Einer der weiteren Vorteile seiner Stellung.

Er reichte seiner Frau den Beutel mit den Brandsätzen. Die ganze Stadt würde heute Nacht auf den Beinen sein. Museen würden gelehrt, Kirchen gebrandschatzt, Plakate und Fernsehsender niedergerissen werden. Am Morgen würden die Straßen von Schutt und gesplittertem Glas bedeckt sein. Für die Kinder würde es eine kleine Show geben, wie jedes Jahr. 'Schaut euch das an! Die Wandlung hat mal wieder vor gar nichts halt gemacht! Vielleicht finden wir dieses Jahr die perfekte Form, die sie zufriedenstellen wird!' Besonders kreative Eltern sprengten riesige Fußabdrücke in den Zement der Straßen.

Torben hievte sich den Rucksack auf den Rücken. Mittags dann würden die Ziele für das Jahr über den Notfallkanal bekannt gegeben werden. Und dann würde die Anpassung erfolgen, dann der Neubeginn. Arm in Arm verließen er und seine Frau die Wohnung. Im Zimmer ihrer Kinder flackerte das Nachtlicht. Auf der Straße heulten um Punkt Mitternacht die Motoren auf. Auf ein Neues.